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Geobra (Playmobil) vs. Sammler (Customizer/Fans) –

Oder: Warum funktioniert das nicht?

 

Einleitung

Auch wenn diese Seite den Namen 'Der Playmobilsammler' trägt und in den verschiedenen Foren immer von den Playmobilsammlern gesprochen wird, kann der Begriff Sammler - wie er im herkömmlichen Sprachgebrauch verwendet wird - auf den größten Teil der kreativen Playmobilfans nicht angewendet werden. Der größte Teil der 'Sammler' sind, so ist jedenfalls mein Kenntnisstand, mehr oder weniger Customizer.

Das hier Verfasste ist meine persönliche Meinung. Die muss nicht richtig sein: Ich mag bestimmte Bereiche nicht genügend berücksichtigt haben usw. - aber es ist meine Meinung.

Deshalb ist eben eine Diskussion dazu wünschenswert.

 

Die Playmobilfans

Wann und wie der erste erwachsene 'Customizer' auf die Idee gekommen ist, seine Figuren oder das entsprechende Zubehör zu verändern, wird wohl ein Geheimnis bleiben. Eventuell ist er beim Beobachten seiner Kinder, die ja die wahren Fans sind und mit ihrer Kreativität beim Spielen jeden großen 'Customizer' in den Schatten stellen, darauf gekommen, seiner Fantasie freien Lauf zu lassen.

Keiner konnte aber wohl 1974 damit rechnen, dass es bis heute eine ständig wachsende Zahl von Fans gibt, die Playmobilprodukte nicht allein kaufen, um sie in ihrem Originalzustand zu sammeln, sondern um diese Produkte nach ihren Vorstellungen und Wünschen zu verändern, zu ergänzen, zu erweitern, um sie dann zu präsentieren und sich mit anderen Fans darüber auszutauschen.

Auf Homepages, in Foren und in Bildergalerien verbreiten sich diese 'Schöpfungen' sehr schnell  weltweit und führen letztlich zu immer neuen Ideen, die dann umgesetzt werden sollen.

Der Customizer wird dann für den Hersteller tatsächlich zu einem Problem. Denn, dass der Direkt- und Ersatzteilservice nicht dafür angedacht worden war, hier die als umfassender Teilelieferant zu dienen, dürfte Jedem einleuchten.

Es ist deshalb immer wieder amüsant zu beobachten, wie jedes Jahr beim Erscheinen des Neuheiten­kataloges in diversen Foren damit umgegangen wird. Dass hier ein Hersteller seine fertigen Produkte präsentiert, die er auch so verkaufen möchte, tritt sehr oft vollkommen in den Hintergrund.

Wie bei einem Katalog eines Herstellers von Tuningzubehör für Autos oder wie im Baumarkt wird analysiert, welches Teil einer Figur oder einer Themenwelt für das Erweitern des eigenen Lieblingsthemas geeignet ist. Und schon geht die Planung los, welche Teile man in welcher Stückzahl von dem und dem braucht, und dann werden Bestelllisten geschrieben. Eine wichtige Frage ist dann auch, ab welchem Zeitpunkt es denn im DS die 'Ersatzteile' für die Neuheiten gibt. Und jedes Mal die Aufregung, wenn für die eigene Spielwelt wieder nichts dabei ist. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass der Hersteller nur noch für die Customizer produzieren sollte. Ein Hauch von Wirtschaftsromantik liegt in der Luft.

Dabei sollte wohl fast Jedem klar sein, dass ein Unternehmen, das schwarze Zahlen schreibt, wohl seine Hausaufgaben in Marktanalyse und Produktentwicklung gemacht hat. Dass die neuen Produkte dabei nicht immer auf das Wohlwollen der Customizer treffen, ist also nicht verwunderlich, da für diese die Verwertbarkeit einzelner Teile ein wichtiges Kriterium ist. Denn Teilemangel scheint irgendwie immer zu herrschen.

Ergebnis dieser Situation sind einerseits die wachsende Zahl der sogenannten Resin-Teile, andererseits der schwunghafte Handel mit Einzelteilen und Zubehör auf diversen Börsen und im Internet. Wobei deutlich unterschieden werden muss zwischen den Sammlern, die zum Beispiel Figuren zerlegen und die überschüssigen Teile dann an andere Sammler verkaufen oder tauschen, um die Anschaffungskosten wieder reinzubekommen, und denen, die den fast notorischen Teilemangel bei den Customizern als profitable Geschäftsquelle entdeckt haben. Aber auch hier gilt die Regel von Angebot und Nachfrage.

Das wohl größte Problem stellt für mich aber die fast nicht vorhandene Bereitschaft, über alle per­sön­lichen Animositäten hinweg und durch das Beenden alter Streitigkeiten eine gemein­same Kommunikationsplattform auch gegenüber dem Hersteller zu finden, dar. Die Über­le­gung, dass sich die einzelnen Foren einmal unter einem gemeinsamen Dach zusammenfinden, ist ja nun nicht neu, wurde aber bis heute leider nicht umgesetzt.

Einige flüchten sich dabei in die Argumentation, dass es ja nur ein Hobby sei. Andere scheuen jede offene Auseinandersetzung oder Kritik am Hersteller wie der Teufel das Weihwasser. Und wieder Andere fürchten um die Eigenständigkeit des 'eigenen' Forums.

Aber wenn man wirklich an einer Sache mehr als ein oberflächliches Interesse hat, dann sollte, nein, dann muss man sogar auch Kritik dort, wo sie angebracht ist, anbringen und den Dialog suchen. Ein Hersteller, der dann nicht in der Lage ist, mit berechtigter Kritik, Fragen und Vorschlägen souverän umzugehen, schadet sich auf Dauer ebenso, wie sich die Fans schaden, die erkannte Probleme nicht offen ansprechen.

Aber so, wie es im Augenblick aussieht, wird die Geschäftsführung des Unternehmens von den Sammlern nicht einmal in die Lage versetzt, wirklich erkennen zu können, worum es eigentlich geht, um daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen - falls diese das denn überhaupt wollte. Denn, mit wem soll das Unternehmen denn sprechen? Auf welche Sammlergruppe soll es reagieren und welches Forum ist denn nun der ultimative Ansprechpartner?

Deshalb sind die 'Sammler' gefordert, einmal von ihren durch das eigene Themengebiet geprägten persönlichen Wünschen vorerst wegzukommen und nach Möglichkeiten des Dia­lo­ges miteinander und dann mit dem Hersteller zu suchen.

Wenn die Mehrheit der Sammler das aber nicht will, sondern sich nur weiter im Kleinen ärgern möchte, dann schlage ich doch vor, dass sich ein Customizer mal ranmacht und das Wutplaymobil entwickelt: Wenn man sich dann wieder einmal geärgert hat, aber nicht bereit ist, dies auch mal deutlich zu machen - einfach unter dem Ausstoßen eines Wutschreis an die Wand werfen. Eventuell hilft es ja.

 

Der Hersteller

Viele andere Unternehmen wären wohl froh, wenn sie sich über mehr als 30 Jahren nicht nur mit einer Marke am Markt behaupten könnten, sondern auch noch eine Fangemeinde hätten, die zum Teil jetzt schon in der zweiten Generation dem Produkt die Treue hält.

Dass der Hersteller eventuell nie damit gerechnet hat, dass gerade erwachsene Menschen mit seinen Produkten in unveränderter und veränderter Form ihr kreatives Potenzial ausleben, sich in Foren organisieren und sogar Ausstellungen von Customizern organisieren, ist keine Entschuldigung für die deutlich sichtbare Unfähigkeit der letzten Jahre, auf diese Entwicklung vernünftig zu reagieren.

Man betreibt zwar eine eigene Homepage, aber einen Bereich, der auf diese Fanaktivitäten hinweist, sucht man vergeblich. Obwohl es in Wolfsburg fünfmal die Playmo-Convention gab, eine über die Grenzen bekannte Ausstellung von Customizern, obwohl Playmobil-Planet in Utrecht sogar mit der Unterstützung des Herstellers durchgeführt wurde, und obwohl es zahlreiche Sammlertreffen und Sammlerforen gibt: Auf der Homepage des Herstellers findet man darüber eigentlich nichts. Schämt man sich für seine Fans?

Nur unter dem Titel 'Stellungnahme zur Veränderung von PLAYMOBIL-Figuren und –Teilen' findet man im Bereich 'Pressemitteilungen' eine Position des Unternehmens zum Thema Customizing, die wohl in Folge der Problematik mit der Playmobil-Bibel entstanden ist.

Dass diese Stellungnahme bis heute in dieser Form auf der Homepage des Herstellers zu finden ist, dürfte aus meiner Sicht an Peinlichkeit fast nicht zu überbieten sein. Denn ein großer Teil in dieser Stellungnahme ist - und das sollten auch die Verantwortlichen wissen - nicht haltbar und provoziert geradezu berechtigtem Widerstand.

Für mich ist im Übrigen der Umgang mit der Playmobil-Bibel das schlechteste Problem­mana­ge­ment, das ich in den letzten Jahren gesehen habe.

Das Projekt Playmobil-Bibel ist zwar als solches im Internet nicht mehr abrufbar; dafür aber zahlreiche Artikel und Positionen zu diesem Thema, die letztendlich nicht als positiv im Sinne des Unternehmens bewertet werden können. Wenn man das wirklich erreichen wollte, dann hat man ganze Arbeit geleistet.

Warum hier von der Geschäftsführung, als absehbar war, dass diese Angelegenheit eben nicht ohne negative öffentliche Resonanz zu klären ist, nicht die Notbremse gezogen und nach Alternativlösungen gesucht wurde, ist ebenso unverständlich, wie die Position zu der Frage, weshalb man gegenüber der Veränderung einer Playmobilfigur zu Adolf Hitler (wie sie in einer Fernsehsendung von Harald Schmidt gezeigt wurde) nicht vorgeht.

Da hat es offenbar an der notwendigen Sensibilität gemangelt. Denn unabhängig davon, ob man so etwas juristisch verbieten könnte und wollte, wäre für mich hier eine klare Distan­zierung von der Verwendung der eigenen Produkte zu diesem Zweck notwendig gewesen.

Aber, wie gesagt: Im Umgang mit den Playmobilfans hat das Unternehmen meines Erachtens bis heute keine klare Position gefunden. Warum das so ist, kann wohl nur aus dem Unternehmen selbst heraus beantwortet werden. Wobei die Fans selber wohl nicht unwesentlich dazu beigetragen haben und beitragen, dass sich dieser Zustand bis heute nicht geändert hat.

Ob die 'Sammler' eine nicht-relevante Gruppe sind, oder ob man es für sehr suspekt hält, dass sich erwachsene Menschen Spielzeug als Hobby ausgesucht haben, bleibt - wie alle anderen Überlegungen - bis auf Weiteres spekulativ.

Aber der Hersteller kann und sollte eben nicht die Augen davor verschließen, dass es eben diese wachsende Anzahl von erwachsenen Playmobilfans gibt, und dass diese möglicherweise irgendwann damit unzufrieden sind, dass sie zwar als Käufer zum Teil gern gesehen sind (viele Sammler geben einen nicht unbeträchtlichen Teil ihres Einkommens für ihr Hobby aus), als Fans oder Kunden mit Sonderwünschen aber ein Schattendasein fristen oder eventuell sogar als störend empfunden werden.

Inwieweit das dann auch zu öffentlichen Unmutsbekundungen von Durchschnittskäufern führt, wird man sehen müssen. Mittlerweile organisieren sich unzufriedene Käufer auch schon mal.

Dass jetzt mit einem Playmobil Collectors Club, der sich in der Findungsphase befindet, ein grund­sätz­liches Umdenken eintritt, wage ich aber zu bezweifeln. Denn einen Fanclub eines Unter­nehmens, das wohl in Deutschland seine treusten Fans hat, als Internationalen Club von Sammlern aus dem angloamerikanischem Sprachraum organisieren zu lassen, ist schon ein mutiges Unterfangen.

 

Was wünsch' ich mir?

… vom Hersteller

Dass der große alte Herr des Unternehmens, Horst Brandstätter, in dieser Frage das Heft selbst in die Hand nimmt. Letztendlich sind die Playmobilfans auch irgendwie seine Fans.

Dass man sich endlich offiziell zu diesen Fans bekennt. Ist es wirklich so schwierig auf der Homepage mal einen Hinweis zu geben und sei es nur auf die vom Hersteller selbst unterstützten Aktivitäten?

Dass für die Betreuung der Playmobilsammler oder Playmobilfans ein eigener offizieller Ansprech­partner/Verantwortlicher eingesetzt wird, der auch in diesem Bereich eine gewisse Entscheidungs­kompetenz hat. Dies ist eben keine Aufgabe für die Pressestelle oder die Geschäftsführung.

Dass einfach vom Unternehmen selber einmal deutlich gemacht wird, was wirklich für die Playmobil­fans gemacht werden kann, und was nicht. Mittlerweile sollte doch im Unternehmen selbst sich die Erkenntnis durchgesetzt haben, dass genau das Fehlen einiger klarer Aussagen dazu führt, dass immer neue Wünsche an das Unternehmen herangetragen werden und dass man bei allen Vorhaben in eine endlose Diskussion darüber gerät, was man als Sammler erwartet.

Dass damit die Möglichkeit geschaffen wird, in einen offenen Dialog zu kommen und somit auch Probleme offen angesprochen werden können. Dass man sich keine Denkverbote auferlegt.

… von den Sammlern

Dass sie versuchen, einmal gemeinsam aufzutreten, um den Dialog mit dem Hersteller zu führen. Dabei kann ja jedes Forum und jede Gruppe die Eigenständigkeit behalten und man schließt speziell dafür ein Bündnis.

Dass man sich darüber verständigt, was man vom Hersteller erwartet und dabei nicht jeglichen Bezug zur Realität verliert. Es sollte z.B. nicht gleich wieder um Sondereditionen für Sammler gehen. Wichtig wäre wohl als erster Schritt zu klären, in welcher Form man die Kommunikation mit dem Hersteller gestalten will.

 

DIE DISKUSSION ZUM THEMA ist eröffnet …